Kulturpolitik in Düsseldorf ignoriert langjährige Bürgerwünsche

Die RP über Kulturbahnhof P.N.I.-Reaktionen und Anmerkungen.

Der gestrige Presseartikel zum Gerresheimer Kulturbahnhof, sicherlich von der Rheinischen Post in bester oder vermeintlich helfender Absicht geschrieben, ist durch die Überschrift, für das seit einem halben Jahr recht erfolgreich verlaufende Programm, kontraproduktiv geraten.
Um es vorwegzunehmen: mit P.N.I. und dem Kulturbahnhof Gerresheim ist alles O.K.
Trotz fehlender Förderung: keine strukturellen Probleme.

Düsseldorfer Politik verliert an Glaubwürdigkeit

Schwierigkeiten dürfte allerdings die Glaubwürdigkeit der Politik und die Nachvollziehbarkeit der Zielsetzungen aller politischen Verantwortlichen im Bezirk 7 haben. Das eigentliche Thema des Artikels hätte daher wohl eher die erhellende Tatsache sein können, dass die verfehlte Förderung erneut die Bürger und Vereine des Bezirks 7 trifft. Sie sind es, denen nun zum wiederholten mal, die von ihren Volksvertretern seit Jahren angekündigte und versprochene Beteiligung an den Projekten und Räumen im ehemaligen Bahnhof Gerresheim verweigert wird. Ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die sich für gemeinschaftliche kulturelle Ideen im Bahnhof mit großer Kraft schon zu Zeiten der vorsintflutlichen städtischen Abrissplanung, des nun denkmalgeschützten Gebäudes, engagiert haben.

Sogar Beschlüsse werden ignoriert

Selbst Beschlussfassungen und feste Zusagen an die in Gerresheim lebenden Bürger, vonseiten der Bezirksvertretung zur expliziten Förderung des Kulturbahnhofs, werden nunmehr seit 2011 von der verantwortlichen Politik ignoriert. Das Ziel dieser etwas fahrig wirkenden Kulturpolitik ist unklar, möglicherweise spielt eine tiefersitzende Ignoranz gegenüber Menschen der Arbeiterviertel an der ehemaligen Gerresheimer-Glashütte eine unschöne Rolle?

Möglicherweise reicht den Gerresheimer Politikern mittlerweile ein vor dem Bezirksrathaus Flöte spielender Oberbürgermeister zur langfristigen kulturellen Selbstdarstellung. Ob die Fährte dieser Musik, bei aller vorgetragenen Innovationsabsicht der in Düsseldorf regierenden Ampel, sich nicht wieder in einer, seit OB Erwin hinlänglich bekannten Bahn inhaltsferner Klientelbegünstigung verliert, werden die Wähler selbst erkennen müssen.

Politische Klientelbegünstigung statt solidarischen Ideen und Bürgerengagement.

Unser diesjähriges, wie auch das für das nächste Jahr geplante Programm, ebenso wie das Gesamtkonzept von P.N.I. im Kulturbahnhof-Gerresheim könnte, programmatisch gesehen, als Stadtteilförderung, künstlerisches Experiment und Teilhabewirklichkeit längst ein Stück Chancen schaffender Düsseldorfer Normalität sein. Und gehörten diese oben genannten, von uns seit 1989 postulierten solidarischen, künstlerischen Ideen nicht sogar in die von der regierenden SPD eingebetteten kulturellen Zielsetzungen der vorangegangenen Wahlperiode?

Sehnsuchtsort  P.N.I. Kulturbahnhof-Gerresheim

Der Bahnhof als „Sehnsuchtsort“ in diesem, sich im Umbruch befindlichen, geschichtsträchtigen Düsseldorfer Stadtteil, wäre durchaus in der Lage, ein über die Region hinausragendes kulturelles Zeichen zu setzen.
Jetzt erscheint er nur als der Ort, an dem die Düsseldorfer Politik und Kulturpolitik wieder allzu kurzsichtig zu scheitern droht und alle sinnvollen Perspektiven verspielt.
Ein bekanntes Muster der Stadt? Nicht zum ersten mal werden in Düsseldorf soziale Innovation, Inklusion, solidarische Formen der Kunst und Teilhabe ganz hinten auf die Liste kultureller Notwendigkeiten gesetzt. Lieber werden finanzielle Mittel für rückwärtsgewandte „Kunst-am-Bau-Ideen“ in die Hand genommen. Reaktivierte Ideen voriger Jahrzehnte, die eher an reaktionäre Überprüfbarkeit denken lassen. Da scheint die Wirklichkeit vieler heutiger Künstler doch schon etwas weiter zu sein, wenn wir den internationalen Gedanken mal ins Spiel bringen wollen …
Mit allen Künstlern zu reden, allem Raum zu geben, wie es der Künstler Felix Droese einmal ausgedrückt hat, wäre ein prima Anfang gewesen.
Wir versuchen das mit P.N.I. anzubieten, mit kleinen Mitteln und unserer Offenheit – auch an den Rändern des Systems „Kunst“. Um Ausgrenzung zu verhindern, aus eben diesem Grund wurde 2011 der Verein Jason Rø e.V. gegründet und er hat nicht nur die Beteiligungen von Künstlern mit geistiger Behinderung am offiziellen Düsseldorfer Kulturleben zu einer Selbstverständlichkeit gemacht.

Die Tatsache, dass langjähriges bürgerliches Engagement in Düsseldorf nur dann auf fruchtbaren Boden fällt, wenn politische Strategien dies zulassen – auch das ist jetzt eine dokumentierte Erfahrung des Kunstprojektes P.N.I. im Kulturbahnhof-Gerresheim.
Tatsächlich jedoch werden alle Projekte und künstlerischen Realisationen derzeit ausschließlich von bildenden Künstlern aus überschaubaren Vereinsmitteln und aus eigener Tasche finanziert.
Neben dem umfangreichen kulturellen Programm gehörte dazu auch die Ausrichtung des
OB-Bürger-Dialogs.
Auch das dürfte definitiv eine Innovation gewesen sein …

P.N.I. im Kulturbahnhof-Gerresheim
Carsten Reinhold Schulz
Konzeptkünstler / Kurator

Kulturpolitik in Düsseldorf ignoriert langjährige Bürgerwünsche

NEUNZIG IMHAUS: der Kulturbahnhof Gerresheim

Kultur, Experimente, Teilhabe, Veranstaltungen
Der denkmalgeschützte Kulturbahnhof im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim wird ab April 2015 unter Trägerschaft des gemeinnützigen Vereins „Jason Rø e.V. für Kunst und Teilhabe“ gestellt. Mit ihm werden die kulturellen Ziele und Möglichkeiten dieses schönen Ortes in Zukunft gestaltet und ausgelotet. Die Räume sollen trotz des bald stattfindenden regelmäßigen Kunst, Musik und Kulturprogramms weiterhin auch für privateVeranstaltungen und Feiern nutzbar bleiben. Als verantwortlicher Kurator wurde Carsten Reinhold Schulz eingesetzt, der seit langem daran arbeitet, Kunst und Kultur wieder mehr ins Zentrum der Gesellschaft zu rücken, um sie für alle verfügbar zu machen: „Eine Hochzeit, zum Beispiel, ist nicht nur ein Event, sondern ein Kultur-Ereignis und Teilhabe muss mit den Menschen gemeinsam geschaffen werden, dazu gehört auch Kritik und Selbstkritik“. Er hat auch den Namen PROJEKTE NEUNZIG-IMHAUS erfunden. Mit Heinrich Heine aufgewachsen, ist der Armenarzt, Lithograph und Revolutionär Peter Joseph Neunzig für ihn die klarste Verkörperung einer beeindruckenden Verbindung von sozialem Engagement, freiheitlichem Denken und Kunst.

Für Informationen, Kontaktaufnahme oder Saal-Buchungen des Kulturbahnhof-Gerresheim gibt es ab sofort folgende Möglichkeiten:

Telefon: 0211. 20 974 364
info@kulturbahnhof-gerresheim.de
http://www.kulturbahnhof-gerresheim.de

NEUNZIG IMHAUS: der Kulturbahnhof Gerresheim